Von Klaus-Jürgen Bremm
Rezension zu Tilmann Nagel: Mohammed. Zwanzig Kapitel über den Propheten der Muslime
War der Prophet Mohammed eine historische Figur? Hat es den Religionsstifter und arabischen Kriegsherrn, über den bisher keine außerislamischen Quellen gefunden wurden, tatsächlich gegeben?
Die Antwort des renommierten Göttinger Emeritus für Islamwissenschaften, Tilman Nagel, ist trotz der schwierigen Quellenlage ein klares Ja. Allerdings entsprach der historische Mohammed durchaus nicht dem hagiographischen Bild, das sich die allermeisten Anhänger des Islam bis heute von diesem angeblich „vollkommensten aller Menschen“ machen.
In seiner knappen biographischen Studie über den arabischen Propheten stellt Nagel eingangs unmissverständlich klar, dass eine wissenschaftliche Beschäftigung mit dessen Persönlichkeit und ihrer Botschaft nach westlichen Maßstäben nur gelingen kann, wenn sie konsequent in ihren historischen Kontext eingeordnet wird [wenn sie nach wissenschaftlichen Kriterien erforscht wird]. Für die meisten Moslems dürfte dieser, in der christlichen Theologie längst vollzogene, Schritt allerdings ein schmerzlicher und vielleicht sogar unmöglicher Akt sein.
In letzter Konsequenz wird er sogar an den Fundamenten dieser dritten und jüngsten abrahamitischen Religion rütteln, deren zentrales Dogma ja darin besteht, dass im Koran Gottes Wort in unmittelbarer und unveränderlicher Form durch seinen letzten und liebsten Propheten der Menschheit offenbart wurde.
Da erscheint es für alle Rechtgläubigen schlicht als Blasphemie, wenn Nagel mit Hilfe zeitgenössischer arabischer Quellen, die er allerdings nicht immer genau nennt, die Genese [den Ursprung] der einzelnen Suren des Korans eng mit der Biographie Mohammeds verknüpft und sie in den Kontext von dessen Auseinandersetzungen [Kriegen] [1] mit seinen Gegnern einzuordnen versucht.
- [1] Der ägyptische Islamwissenschaftler Mark Gabriel schreibt in seinem Buch Islam und Terrorismus auf Seite 30: „Mohammed führte insgesamt 74 Feldzüge. Der Prophet selbst führte 27 Kriegszüge an und liess weitere 47 Beute- und Eroberungszüge durch seine Getreuen durchführen. Das ergibt, rein statistisch gesehen, jedes Jahr acht Feldzüge.“ Quelle: Mark Gabriel, Resch-Verlag, Gräfeling, Seite 78, 2005 - Mohammed war also keineswegs so edel und friedliebend, wie uns die Muslime immer wieder erzählen, sondern er war ein machtbesessener, skrupeloser und grausamer Herrscher, der seine religiösen und politischen Ziele mit Gewalt durchsetzte.
- Daher ist es nicht verwunderlich, daß der Islam heute noch mit Gewalt versucht, seine Ziele durchzusetzen. Ihr Prophet Mohammed lieferte ihnen das Vorbild. Wenn die Islamisten also Gewalt als politisches Mittel einsetzen, dann geschieht dies im Sinne Mohammeds und des Korans und ist somit „gottgewollt“, denn der Koran entspricht den Wort Gottes [Allahs]. Die Islamisten verstehen den Koran also nicht falsch, wie manche Islamsympathisanten immer wieder als Entschuldigung hervorbringen, sondern sie tun genau das, was der Koran ihnen befiehlt. Nicht die Islamisten handeln wider dem Koran, sondern die moderaten [friedliebenden] Muslime. In der Regel allerdings sympathisieren die meisten „moderaten“ Muslime mit den Islamisten, auch wenn sie es nicht immer offen zugeben. Auch die meisten „Ehrenmorde“ werden von sogenannten moderaten Muslimen begangen.
Aus der Perspektive des kritischen Historikers war Mohammeds Botschaft vielmehr erheblichen Wandlungen unterworfen, die sich vor allem aus den damaligen komplexen Frontstellungen und Rivalitäten [der einzelnen Stämme] auf der arabischen Halbinsel erklären lassen und sich selbst nach dem Tod des Propheten im Juni 632 noch lange fortsetzten.
Dem damals in der arabischen Welt weit verbreiteten Hanifentum (Eingottglaube) anfangs verbunden, wandelte sich Mohammeds Lehre nach der so genannten Hedschra aus seiner Heimtatstadt Mekka [die Flucht aus Mekka 622 n.Chr.] in eine streng ritualisierte Politideologie, die im medinensischen Exil nicht nur den Tagesablauf eines jeden Gläubigen genau regulierte, sondern auch den militärischen Kampf als vorrangiges Mittel ihrer Subsistenz [Erhaltung] und Verbreitung forderte.
Nagel stellt unmissverständlich klar, dass Mohammeds Kriege gegen Mekka und andere arabische Clans keine Verteidigungskriege waren, wie es in der islamischen Überlieferung gern behauptet wird: Von Anfang an ging die Aggression von dem Propheten aus, der die rasch wachsende Zahl seiner Anhänger auch mit der Aussicht auf regelmäßige Kriegsbeute bei der Stange zu halten versuchte.
Das Gewaltpotential der neuen Ideologie richtete sich mit wachsender Stärke der neuen moslemischen Gemeinde, der so genannten Umma, auch gegen Abweichler und Andersgläubige, wie etwa die drei jüdischen Stämme in Medina, von denen zwei aus ihrer Heimat vertrieben, der dritte sogar massakriert und versklavt wurde [die Männer wurden enthauptet, die Frauen und Kinder in die Skaverei verkauft].
Die neunte Sure, die Mohammed in seinem vorletzten Lebensjahr empfangen zu haben vorgab, verkündete eindeutig den kaum noch eingeschränkten Djihad selbst gegen die Angehörigen der Schwesterreligionen [das Juden- und das Christentum], die er und seine Anhänger verächtlich die Beigeseller nannten:
- „Allah liebt die Gottesfürchtigen. Wenn die heiligen Monate
jedoch vergangen sind, dann tötet die Beigeseller, wo immer ihr
sie findet! Wenn sie sich [zum Islam] bekehren, das rituelle Gebet
verrichten und die Läuterungsabgabe [2] abführen, dann lasst
sie laufen. Allah verzeiht und ist barmherzig.“
- [2] Die Läuterungsabgabe wird auch als Zakah oder Zakat
bezeichnet. Die Zakat bzw. Zakah ist im Islam eine Verpflichtung, die
auf den Koran zurückgeht. Dabei wird Muslimen vorgeschrieben,
einen bestimmten Anteil ihres Besitzes Armen und Bedürftigen sowie
anderen festgelegten sozialen Gruppen zur Verfügung zu stellen.
Schon zu Lebzeiten inszenierte sich Mohammed als die von Allah, seinem „Alter Ego“ (Nagel) [seinem zweiten Ich], auserwählte Persönlichkeit. Sein kometenhafter Aufstieg zum mächtigsten Mann Arabiens schien ihm darin Recht zu geben. Während aber seine Zeitgenossen und Weggefährten den Propheten noch als eine höchst menschliche Erscheinung gesehen hatten, an dessen Person auch fallweise nicht mit Kritik gespart wurde, setzte schon in den folgenden Jahrhunderten eine beispiellose Apotheose [Überhöhung, Glorifizierung] des Propheten ein. Islamische Autoren, wie etwa der Bagdader Gelehrte Ibn Al Gauzi (gestorben 1201), überboten sich in ihren Bemühungen, Mohammed als den vollkommensten und unfehlbarsten Menschen darzustellen, der jemals gelebt habe, um damit auch die Vollkommenheit und Wahrheit seiner Lehren zu beweisen.
Schon [der saudi-arabische Historiker] Ibn Hischam (gest. 828), der zweite Biograph des Propheten, räumte freimütig ein, dass er nicht alle bei Ibn Ishak (gest. 764) zu findenden Episoden aus Mohammeds Leben überliefert habe, weil seine Leser vieles davon als anstößig empfinden könnten. Die Verklärung nahm sogar derart bizarre Formen an, dass die Rangordnung zwischen Allah und seinem Propheten auf den Kopf gestellt zu sein schien. Heißt es doch schon in Sure 33, Vers 56: „Allah und seine Engel vollführten das rituelle Gebet zum Propheten gewandt“.
Bis heute aber verhindert diese Verklärung eine wirkliche wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Persönlichkeit des historischen Mohammeds. Zugleich macht sie die nach Ansicht Nagels längst notwendige kritische Überprüfung des islamischen Dogmengebäudes und ihre Anpassung an moderne Lebenswelten unmöglich. Der Verfasser findet dafür klare Worte und spricht sogar von einer an Autismus grenzenden Selbstbezogenheit der moslemischen Orthodoxie.
Zwei Konsequenzen ergeben sich jedoch aus dieser fast blinden Verehrung des Propheten. Aus religionssystematischer Perspektive muss gefragt werden, ob es sich bei der koranischen Lehre mit ihrer maßlosen Überhöhung des Propheten überhaupt noch um eine monotheistische Religion handelt. Aus der Sicht der freiheitlichen westlichen Gesellschaften aber erscheint es höchst problematisch, wenn sich in Europa in zunehmender Zahl Einwanderer aus dem moslemischen Kulturkreis niederlassen, die bei aller Verschiedenheit islamischer Glaubensvorstellungen gleichwohl im Leben und Wirken des Propheten ihr zentrales Vorbild erblicken. Denn zu diesem Leben gehörte eben auch, wie Nagel unmissverständlich klarstellt, Nötigung, Plünderung, Versklavung und Massenmord.
Tilmann Nagel (2010): Mohammed. Zwanzig Kapitel über den Propheten der Muslime München: Oldenbourg, 331 Seiten, 29,90 Euro. Kaufen bei Amazon.
Die Anmerkungen in eckigen Klammern sind vom Admin.
Quelle: Gab es Mohammed wirklich?
Meine Meinung: Der ehemals muslimische deutsche Islamwissenschaftler Professor Sven Kalisch kam bei der Untersuchung derselben Frage, ob Mohammed gelebt hat, zu einem etwas anderen Ergebnis. Seiner Meinung nach ist es nicht möglich nachzuweisen, ob Mohammed wirklich gelebt hat. Er selber neigt wohl eher zu der Annahme, daß Mohammed eine Erfindung der islamischen Geschichtsschreibung ist. Nachdem er diese These veröffentlichte, bekam er große Probleme mit den Muslimen. Er fürchtete sogar um sein Leben.
Später trat der zum Islam konvertierte Professor wieder aus dem Islam aus, was beim Islam ja eigentlich ein Verstoß ist, der mit dem Tode bestraft wird, zumindest dann, wenn er öffentlich vollzogen wird und dazu noch von einem so angesehenen Professor der Islamwissenschaft. Das Verhalten der Muslime zeigt, daß es ihnen nicht um eine wissenschaftliche Auseinandersetzung um die Frage, ob Mohammed wirklich gelebt hat oder nicht geht. Ihnen geht es vielmehr um die Aufrechterhaltung eines religiösen Dogmas und zwar nicht aus religiösen Gründen, sondern aus Gründen der Machterhaltung. Jeder der dieses Dogma anzweifelt, muß mit dem Tode rechnen. (siehe: Sven Kalisch: Hat Mohammed wirklich gelebt?)
Erinnert sei auch an das Schicksal des ägyptischen Islamwissenschaftlers Mark Gabriel, der an der angesehensten islamischen Institution, nämlich der Al-Azhar-Universität in Kairo Islamwissenschaft lehrte. Nachdem er die Bibel studiert hatte und zum Christentum übertrat, wurde er vom ägyptischen Geheimdienst, verhaftet, inhaftiert und gefoltert. Seine Familie und andere Muslime, die von seinem Gesinngswandel erfahren hatten, wollten ihn töten. Dem konnte er sich nur durch die Flucht in die USA entziehen. (siehe: Der Leidensweg des Mark A. Gabriel: Vom Islam zum Christentum)
Siehe auch:
Das Dschihadsystem: Rezension von Prof. Tilman Nagel
Tilman Nagel: „Mohammed ging es immer auch um Macht“
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