Samstag, 21. Januar 2012

Das „Goldene Zeitalter“ des Islams – Ein zweiter Blick

Von Richard Butrick - Übersetzung von Liz/EuropeNews

EuropeNews 10 Januar 2012 - Original: The Golden Age of Islam - A Second Look (Hudson New York)

Die Zeit vom Tod Mohammeds [632 n.Chr.] an durch das 13. Jahrhundert hindurch kennzeichnete die glorreichen Tage des islamischen Reiches. Es war ein Zeitalter des Handels, der Industrie und der intra-kulturellen Synergien [Zusammenarbeit], sowie des Aufblühens der Wissenschaften, Künste, der Medizin und Architektur. Es war der Inbegriff dessen, wie eine Zivilisation sein sollte.

Fragen Sie Obama. In seiner Rede im Jahr 2009 in Kairo sagte der [amerikanische] Präsident, dass der Islam „viele Jahrhunderte lang das Licht der Lehre getragen habe, und so den Weg für die europäische Renaissance und die Aufklärung geebnet habe,“ und er lobte die „Innovation der muslimischen Gemeinschaften, die die Ordnung der Algebra entwickelten; unseren magnetischen Kompass und Navigationswerkzeuge; das Meistern des Schreibstifte und des Druckens; unser Verständnis wie sich Krankheiten weiter verbreiteten und wie man sie heilt.“

Während Europa im Dunklen Zeitalter der Ignoranz verkümmerte, Angst und Aberglaube dem Zusammenbruch des römischen Reiches im 5. Jahrhundert folgten (so erzählt die Geschichte), war es die islamische Welt die die Fackel der klassischen Zivilisation nach Europa trug, welches dann letzen Endes aus dem „Dunklen Zeitalter“ ins 15. Jahrhundert stolperte.

Im Gegensatz dazu erblühte die islamische Welt während des Dunklen Zeitalters: Bis zum 13. Jahrhundert, waren sowohl Afrika als auch Indien zu bedeutenden Zentren der islamischen Zivilisation geworden und kurz danach bildeten sich muslimische Königreiche in der malaysisch-indonesischen Welt, während die chinesischen Muslime in ganz China aufblühten.

Aus diesem Grund ist der Islam eine Religion für alle Menschen, welcher Rasse auch immer oder welchen Hintergrund sie auch haben mögen: Islamische Zivilisation basiert auf einer Einheit, die komplett gegen rassische oder ethnische Diskriminierung steht. Solche grundlegenden rassischen und ethnischen Gruppen, wie die Araber, Perser, Türken, Afrikaner, Inder, Chinesen und Malaysier sowie weitere zahllose kleinere Einheiten, nahmen den Islam an und trugen zum Aufbau der islamischen Zivilisation bei.

Darüber hinaus, so geht die Geschichte weiter, stellte sich der Islam nicht gegen die Lehren von früheren Zivilisationen und sie integrierten deren Wissenschaften, die Lehren und die Kultur in ihre eigene Weltanschauung. Jede ethnische und rassische Gruppe, die den Islam angenommen hatte, leistete ihren Beitrag zu der Einen islamischen Zivilisation. Zu der jedermann nun gehörte.

Die Weltbevölkerung, die durch den Islam erschaffen wurde war ebenso erfolgreich darin, den Geist und die Gedanken der Menschen zu aktivieren, die in seinen Schoß fielen. Als Endergebnis des Islams wurden die arabischen Nomaden zu den Fackelträgern der Wissenschaft und der Lehre. Die Perser, die vor dem Aufstieg des Islams eine großartige Zivilisation geschaffen hatten, produzierten dennoch weitere und mehr Wissenschaften und Lehre im Verlauf der islamischen Periode als zuvor. Dasselbe kann man von den Türken und anderen Völkern sagen, die den Islam angenommen hatten. Die Religion des Islams selbst war verantwortlich nicht nur für die Schaffung einer Weltbevölkerung an der Menschen aus vielen verschiedenen ethnischen Hintergründen teilnahmen, sondern er spielte auch eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des intellektuellen und kulturellen Lebens in einem Ausmaß, wie man es vorher nie gekannt hatte.

Was für eine Geschichte. Und es ist eine Geschichte, die den amerikanischen Schülern vom 12. Lebensjahr an aufgetischt wird bis hin zu den graduierten Schulen. Was für eine Geschichte? Wohl eher ein Märchen.

Viktor Hanson hat Obamas Version des Goldenen Zeitalters des Islams protokolliert:
  • In seiner Rede in Kairo verkündete Präsident Obama, dass er ein „Geschichtsstudent“ gewesen sei. Aber trotz Herrn Obamas Darstellung als „Ivy-League“ gebildetem Intellektuellen [mit „Ivy-League“ werden acht Elite-Universitäten in den USA bezeichnet], fehlt ihm die historische Kompetenz sowohl bei den Fakten als auch bei deren Interpretation: Obama behauptete dass „der Islam … das Licht der Lehre durch so viele Jahrhunderte getragen habe, und den Weg für die europäische Renaissance und die Aufklärung geebnet habe.“ Tatsächlich war es aber so, dass die mittelalterliche islamische Kultur wenig mit der europäischen Rückbesinnung auf die klassischen griechischen und lateinischen Werte zu tun hatte.
  • Europäer, Chinesen und Hindus, und nicht Muslime, erfanden die meisten Errungenschaften, die Obama als islamische Erfindungen präsentiert. Vieles in der Renaissance war in dieser Tat eher auf einer jahrhundertelangen Flucht der griechisch-sprechenden byzantinischen Gelehrten von Konstantinopel nach Westeuropa begründet, um vor den Aggressionen der islamischen Türken zu fliehen. Viele Denker der Romantik und der Aufklärung versuchten die Freiheiten der unterdrückten Untertanen unter der muslimischen Herrschaft im östlichen und westlichen Europa zu erweitern.
Andrew Bostom hat den Mythos, dass Cordoba ein Modell der Ökumene gewesen sei aufgespießt:
  • [1] Unter der Ökumene versteht man den friedlichen Dialog zwischen verschiedenen Religionen.
Wenn man Jane Gerbers These über den „grellen“ Mythos eines „Goldenen Zeitalters“ erweitert, dann bietet der verstorbene Richard Fletcher (in seinem Werk „Moorish Spain“ [Maurisches Spanien]) eine faire Einschätzung der interreligiösen Beziehungen im muslimischen Spanien und seine Sicht der zusätzlichen zeitgenössischen Strömungen, die verantwortlich waren für die Verfinsterung jener Geschichte:
  • Das Zeugnis jener, die die Grausamkeiten der Eroberungen durch die Berber durchlebten, der andalusischen Fitna [Tortur] im frühen elften Jahrhundert der almoravidischen Invasion [Berberdynastie aus Mauretanien], um nur einige zerstörerische Episoden zu erwähnen, muss dies [d.h.: die rosarote Sicht des muslimischen Spaniens] als Lüge erscheinen.
  • Die einfache und nachprüfbare historische Wahrheit ist, dass das maurische Spanien öfter und mehr ein Land der Aufstände als der Ruhe war. Toleranz? Fragen Sie die Juden von Granada, die im Jahr 1066 abgeschlachtet wurden, oder die Christen, die von den Almoraviden im Jahr 1126 nach Marokko verschleppt wurden (wie die Morisken [zum Christentum konvertierte Mauren] fünf Jahrzehnte später). In der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts erschien eine neue Art der Vernebelung auf der Bildfläche: Die Schuld des liberalen Gewissens die das Böse im europäischen Kolonialismus sieht [2], eher angenommen als belegt, das man bei der christlichen Eroberung von al-Andalus und der Verfolgung der Morisken erahnen konnte (aber seltsamerweise nicht in der maurischen Eroberung und Kolonisierung).
  • [2] ... ohne zu erwähnen, daß der islamische Kolonialismus viel länger dauerte, viel grausamer war und viel mehr Todesopfer forderte, als der europäische Kolonialismus. [siehe: 1300 Jahre islamische Sklaverei in Afrika]
  • Einmal gut umgerührt wird dies den leichtgläubigen Akademikern und Medienschaffenden auf der ganzen Welt offeriert. Dann gießt man dies großzügig über die Wahrheit … Unter den kulturellen Bedingungen, die im heutigen Westen vorherrschen, muss die Vergangenheit so vermarktet werden, und damit sie so erfolgreich vermarktet werden kann muss sie attraktiv verpackt sein. Das mittelalterliche Spanien im Naturzustand hat kein ansprechendes Äußeres. Maßloses Schwelgen in Glanz und Glamour … wirken Wunder um das Image zu verbessern. Aber das maurische Spanien war keine tolerante und aufgeklärte Gesellschaft, sogar in seiner kultiviertesten Epoche war dies nicht der Fall.
Auch Serge Trivkovic hat eine allgemeine Abrechnung geschrieben über diese schwülstigen Beschreibungen der Leistungen und Höflichkeiten des islamischen Goldenen Zeitalters in seinem Artikel „The Golden Age of Islam is a Myth“, der bei FrontPage erschienen ist.

Und nun haben wir Emmet Scott, der in einer demnächst erscheinenden Studie Mohammed & Charlemagne Revisited (An Introduction to the History of a Controversy) [Mohammed und Karl der Große erneut aufgegriffen - Eine Einführung in die Geschichte einer Kontroverse] die These vertritt, dass das sich ausbreitende islamische Reich anstatt das klassische Erbe zu bewahren, dieses zerstört und dadurch das Dunkle Zeitalter erst heraufbeschworen hat.

Bewaffnet mit neuem archäologischen Beweismaterial liefert Scott ein überzeugendes Argument, das im Jahr 1920 im Original von Henri Pirenne, einem belgischen Historiker, vorgebracht worden war, dass die klassische Zivilisation nicht nach dem Fall des Römischen Reiches zusammengebrochen war, sondern dass sie sich Stück für Stück abnutzte durch den Ansturm der arabischen Armeen und deren Überfälle. Das islamische Goldene Zeitalter stand kurz davor die klassische humanistische Kultur des Westens für immer zu zerstören.

Hanson hat auf die sachlichen Fehler von Obamas Lobgesang auf das islamische Goldene Zeitalter bereits hingewiesen. Andrew Bostom hat den Mythos, dass Cordoba ein Modell für die Ökumene gewesen sei enttarnt, Trivkovic hat aufgezeigt, dass die Fortsetzung der Lehre, Wissenschaft, Technologie des „Goldenen Zeitalters des Islams“ trotz des Islams gelang und nicht wegen des Islams und nun haben wir Emmet Scott, der den Mythos entlarvt, dass das Goldene Zeitalter des Islams die klassische humanistische westliche Kultur gerettet habe. Was kommt als nächstes? Die glorreiche Scharia?

Quelle: Das Goldene Zeitalter des Islams – Ein zweiter Blick

Siehe auch:
1300 Jahre islamische Sklaverei in Afrika
Das „goldene Zeitalter des Islam“ ist ein Mythos
Prof. Egon Flaig: Der Islam will die Weltherrschaft
Prof. Egon Flaig: Die ersten Hautfarbe-Rassisten waren Araber
Prof. Egon Flaig: Essay - Djihad und Dhimmitude
Weltgeschichte der Sklaverei
Beim Sklavenhandel lernten Christen von Muslimen
Europäer als Opfer des islamischen Kolonialismus
Islamisches Spanien - Der Mythos vom friedlichen Al Andalus
Die Legende des Mittelalters
Mittelalter: Al-Andalus, ein goldener Traum?
Die Toleranz im islamischen Spanien ist ein multikultureller Mythos

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