Ex-Bundesbankvorstand und SPD-Politiker Thilo Sarrazin (65). Sein umstrittenes Buch „Deutschland schafft sich ab“ wurde bisher fast eine Million Mal verkauft. Laut Media Control ist es damit das meistverkaufte Politik-Sachbuch eines deutschen Autors in diesem Jahrzehnt.Zwei Monate nach Erscheinen seines Bestsellers „Deutschland schafft sich ab“ und seinem Ausscheiden bei der Bundesbank rechnet Thilo Sarrazin, 65, mit seinen Kritikern ab. Und er sagt, wie er die Integrationsprobleme in Deutschland lösen würde.
Frage: Herr Sarrazin, wie fühlt man sich als geschasster Bundesbanker und Neu-Millionär?
Thilo Sarrazin: Geschasst wurde ich nicht. Die Bundesbank musste in einer Ehrenerklärung alle Vorwürfe gegen mich zurücknehmen, und der Bundespräsident hätte mich gar nicht entlassen können. Ich habe mein Amt aufgegeben, weil nach der beispiellosen Kampagne aus der Spitze des Staates ein gedeihliches Arbeiten im Vorstand der Bundesbank nicht mehr möglich gewesen wäre. Für die Erforschung meiner Gefühlslage hatte ich bisher noch keine Zeit. Meine Vermögensverhältnisse waren schon vor Erscheinen meines neuen Buches geordnet und sind es jetzt erst recht. Ich habe immer so gelebt, dass ich mein Geld nie ganz ausgegeben habe.
Frage: Die Bundesregierung hat in dieser Woche ein schärferes Vorgehen gegen Zwangsheiraten und Integrationsverweigerer beschlossen. Ist das der richtige Weg?
Thilo Sarrazin: Die Verhältnisse sind in Wahrheit doch viel komplizierter. Wenn ein Vater seiner 16-jährigen Tochter eröffnet, dass er sie mit einem Cousin in der Türkei verheiraten will, und die stets gehorsame Tochter dem zustimmt, dann ist der Zwangscharakter einer solchen Ehe nur schwer zu beweisen. Aus meiner Sicht ist der Vorgang aber nicht in Ordnung.
Frage: Stößt da die Justiz an Grenzen?
Thilo Sarrazin: Wir müssen hier tiefer schürfen und das ganze System der arrangierten Ehen und der Verwandten-Ehen infrage stellen. Beginnt Zwang erst bei körperlicher Bedrohung oder gehört auch moralischer Druck innerhalb der Familien-Clans dazu? Der kann gewaltig sein. Wenn jetzt muslimische Organisationen in Deutschland Zwangsehen ablehnen, aber arrangierte Ehen als Teil der Tradition bejahen, dann hat das mit unseren Vorstellungen von Selbstbestimmung nichts zu tun. [1]
[1] Dr. Udo Ulfkotte schreibt über Verwandtenehen: „In deutschen Städten wie Duisburg wird in den türkischen Gemeinschaften jede fünfte Ehe zwischen Cousin und Cousine geschlossen. Nach Angaben des Essener Zentrums für Türkeistudien (ZfT) machen sie sogar ein Viertel der Heiraten von Türkischstämmigen in Deutschland aus. Das ist riskant: Zeugen Cousin und Cousine ersten Grades ein Kind, ist die Wahrscheinlichkeit schwerster Anomalien und Krankheiten beim Kind doppelt so hoch wie bei einer gewöhnlichen Ehe. Türken haben diese systematische Inzucht nicht nur in Städten wie Duisburg durch ihre „Verwandtenheiraten“ inzwischen unter bestimmten Migrantengruppen zum Normalfall gemacht. Und wer zahlt für die daraus resultierenden Folgen? Wir Steuerzahler.
Wer schon immer einmal wissen wollte, warum in europäischen Kinderkliniken so viele Kinder türkischen oder arabischen Ursprungs liegen, der kann die Ursachen dafür leicht finden, wenn er für die Wahrheit bereit ist. Sie lautet schlicht: „Da gerade in der Türkei und arabischen Ländern Ehen zwischen Blutsverwandten verbreitet sind, gibt es unter ihnen auffällig oft geistige Behinderungen und Stoffwechselkrankheiten sowie Erkrankungen des zentralen Nervensystems durch Störung einzelner Gene.“
Etwa jeder zweite Ägypter, Iraker, Libyer, Jordanier, Omani, Saudi, Emirati oder Palästinenser entstammt aus einer „Verwandtenehe“. Das Risiko, einen niedrigeren IQ als 70 zu haben, steigt bei solchen Beziehungen um etwa 400 Prozent... Eine Berliner Zeitung berichtete: „Immer mehr Kinder im Berliner Stadtteil Neukölln kommen mit angeborenen Behinderungen zur Welt. Als Grund wird Inzest vermutet.“
Was ist also die Quintessenz dieser Verwandtenehen? Man sollte die Verwandtenehen generell in Deutschland verbieten. Zur Zeit scheint es nämlich noch so zu sein, dass das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung höher bewertet wird als die genetisch bedingten Risiken einer Verwandtenheirat. Mit anderen Worten, dem neugeborenen Kind werden keine Rechte zugesprochen. Es hat lediglich die gesundheitlichen Folgen der sexuellen Leidenschaft zu tragen. Der Staat sieht die Verhütung potentiell erkrankten Nachwuchses nicht als sein Ziel an. Er bewertet den kurzfristigen sexuellen Lustgewinn höher, als die Gesundheit des Neugeborenen.
Frage: Was können wir tun, wenn die Beteiligten sagen: alles freiwillig?
Thilo Sarrazin: Gegen den Willen der Beteiligten wird man Verhaltensänderungen nur sehr schwer bewirken. Deswegen würde ich die Regeln für den Familiennachzug deutlich verschärfen. So sollten Personen, die über den Familiennachzug nach Deutschland kommen, sowie deren Kinder für einen längeren Zeitraum keine staatlichen Transferleistungen in Deutschland bekommen. Damit würden falsche Anreize beseitigt. Bereits das würde den Nachzug deutlich reduzieren.
Frage: Sollten wir integrationsunwillige Zuwanderer wieder nach Hause schicken?
Thilo Sarrazin: Wir leben in einem Rechtsstaat und können Menschen, die hier legal leben, nicht einfach nach Hause schicken. Wir sollten aber in Deutschland für ein Klima sorgen, das es attraktiv macht, auf Dauer und mit allen Konsequenzen Teil der deutschen Gesellschaft werden zu wollen. Wir müssen einen ganz anderen Druck zum Erlernen der deutschen Sprache aufmachen. So sollten wir in allen öffentlichen Dienststellen Hinweise in türkischer oder arabischer Sprache abhängen. Denn wer seinen Antrag auf einen Personalausweis oder auf Sozialhilfe nicht auf Deutsch ausfüllen kann, hat bei uns nichts verloren.
Frage: An was denken Sie da weiter?
Thilo Sarrazin: Wer seine Töchter zum Kopftuchtragen zwingt und sie an Cousins in Anatolien verheiratet, hat in Deutschland nichts zu suchen. Wer als Familienoberhaupt Deutsch spricht, seinen Clan aber daran hindert, unsere Sprache zu erlernen, hat in Deutschland nichts zu suchen. Wer lieber türkisches Fernsehen sieht als deutsches, weil er mit unserer Sprache auf Kriegsfuß steht, hat in Deutschland nichts zu suchen. Wer aber hier arbeiten will und akzeptiert, dass seine Kinder Deutsche sein werden und seine Enkel besser Deutsch als Türkisch sprechen werden, der ist bei uns willkommen.
Frage: Nächste Woche findet der Integrationsgipfel der Bundesregierung statt. Eine überflüssige Veranstaltung aus Ihrer Sicht?
Thilo Sarrazin: Als langjähriger Politiker und Staatsbeamter war ich in 35 Jahren an Tausenden überflüssiger Veranstaltungen beteiligt. Ich habe dann oft ausgerechnet, was das wohl kostet. Aber dann habe ich mir gesagt: Solange wir hier sitzen, können wir keinen anderen Unfug anstellen.
Frage: Warum soll es sinnlos sein, wenn sich Politik und Betroffene an einen Tisch setzen und über die Probleme reden?
Thilo Sarrazin: Wenn Sie Probleme lösen wollen, müssen Sie auch Maßnahmen ergreifen, die wehtun. Das geht in Runden wie einem Integrationsgipfel, die prinzipiell auf Konsens angelegt sind, nicht. So sollte der Bezug von Transferleistungen an Fortschritte beim Erlernen der deutschen Sprache geknüpft werden. Nach meiner Überzeugung zieht die Möglichkeit des Zuzugs in unsere Sozialsysteme die falsche Art von Migranten an. Deshalb sollten wir wie die USA oder Kanada den Bezug von Sozialleistungen für Einwanderer ganz oder für längere Übergangsfristen ausschließen. [2] Dann kommen nur noch die zu uns, die von ihrer Hände oder Köpfe Arbeit leben und sich deshalb besser integrieren.
[2] In Kanada haben Migranten 10 Jahre lang keinen Anspruch auf Sozialleistungen. Sozialleistungen werden auch in den USA erst nach 10 Jahren Berufstätigkeit gezahlt. Man muss also mindestens 10 Jahre einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgegangen sein, bevor man Sozialhilfe erhält. Außerdem ist die Sozialhilfe in den USA auf fünf Jahre begrenzt.
Frage: Die CDU will zudem Zuwanderung so steuern, dass Deutschland genügend Facharbeiter bekommt. Das fordert auch die Wirtschaft. Ist eine derart punktgenaue Zuwanderung überhaupt machbar?
Thilo Sarrazin: Mit dieser Argumentation haben wir in den 60er- und 70er-Jahren die Probleme von heute verursacht. Deswegen fallen für mich unter qualifizierte Zuwanderung vor allem Spitzenkräfte wie Ingenieure, Chemiker oder Ärzte, aber nicht Facharbeiter oder gar billige Arbeitskräfte. Da wird jetzt von der Wirtschaft ein großer Druck aufgebaut werden, aber dem müssen wir widerstehen. Da hat Horst Seehofer recht. Solange bei uns noch arbeitsfähige 64- oder 65-Jährige keine Arbeit finden, gibt es keinen Anlass, von einem Arbeitskräftemangel zu sprechen. Und wenn es ihn doch geben sollte, dann muss eben ein Teil der Produktion ins Ausland verlegt werden.
Frage: Sie haben mit Ihrem Buch ganz ohne Zweifel eine wichtige Diskussion losgetreten, die das Land verändert hat. Die Bundeskanzlerin hat Ihr Buch zunächst als „nicht hilfreich“ kritisiert, verkündet aber jetzt das Ende von Multikulti. Ist Angela Merkel ein heimlicher Fan von Ihnen?
Thilo Sarrazin: Angela Merkel hat nicht nur mein Buch kritisiert, sie hat auch die Bundesbank indirekt aufgefordert, mich aus dem Vorstand zu entfernen. Außerdem hat sie öffentlich erklärt, dass sie mein Buch nicht gelesen hat und auch nicht lesen wird. Daran mögen Sie das Interesse der Kanzlerin an der Sache, um die es hier geht, ablesen.
Frage: SPD-Chef Sigmar Gabriel will alle Ausländer aus Deutschland rauswerfen, die sich nicht anständig benehmen. Geht das überhaupt?
Thilo Sarrazin: Wer sich auf dem Kurfürstendamm in der Nase bohrt, kann sicher nicht ausgewiesen werden. Aber im Ernst: Ich warte ab, was von den aktuellen Äußerungen aus der Politik opportunistische Anpassung an eine auch durch mein Buch offenkundig gewordene Stimmung und was ernst gemeinter Handlungswille ist. Das gilt für alle Parteien. Die Gleichheit der Reaktionen in Union und SPD beobachte ich mit Amüsement.
Frage: Christian Wulff hat in seiner Rede zum 3. Oktober gesagt: Auch der Islam gehört zu Deutschland. Und in der Türkei bezeichnete er das Christentum als Teil des Landes. Seither fordern türkische Spitzenpolitiker ihre Landsleute in Deutschland auf, die deutsche Sprache zu lernen und sich zu integrieren. Hat der Bundespräsident mit wenigen Sätzen nicht mehr erreicht als Sie mit einem ganzen Buch?
Thilo Sarrazin: Es ist falsch zu sagen, dass der Islam zu Deutschland gehört. Die deutsche Kultur ist weitgehend ohne Bezug auf den Islam entstanden. Die Tatsache, dass bei uns Millionen Mitbürger islamischen Glaubens leben, ändert daran nichts. Ministerpräsident Erdogan hat die Türken hier vor einer Anpassung an Deutschland gewarnt. Und in der Türkei wurde und wird der christliche Glaube bestenfalls geduldet. Die Zahlen sprechen da eine deutliche Sprache: Gab es 1914 noch 25 Prozent Christen in der Türkei, sind es heute gerade noch 0,2 Prozent. Und an der deutschen Schule in Istanbul ist seit einigen Jahren der Deutschunterricht in den unteren Klassen verboten. Der Bundespräsident hat über diese nicht sehr erfreulichen Zustände eine Harmonie-Kitsch-Soße gegossen.
Frage: Die SPD, der Sie seit Jahrzehnten angehören, will Sie rauswerfen. Wann ist es denn so weit?
Thilo Sarrazin: Zunächst müsste das Gremium, das meinen Austritt beantragt hat, einen Schriftsatz erstellen und diesen bei der Schiedskommission der Partei einreichen. Ein solcher Antrag ist mir bisher nicht zugestellt worden. Das bedeutet: Es gibt bisher keinen Ausschlussantrag gegen mich. Zwei Monate haben nicht ausgereicht, um eine schlüssige Ausschluss-Begründung zusammenzustellen. Es gibt bisher nur politische Absichtserklärungen.
Frage: Haben Sie angesichts von so viel Undank daran gedacht, eine „Sarrazin-Partei“ zu gründen? Nach Umfragen käme diese auf 18 Prozent.
Thilo Sarrazin: Ich finde es schön, wenn Menschen mir vertrauen. Umfragen belegen, dass 60 bis 80 Prozent meine Äußerungen zur Integration unterstützen. Nur eine Minderheit von denen will, dass ich eine Partei gründe. Die Mehrheit aber will, dass die Fragen, die ich an den politischen Mainstream gerichtet habe, auch dort beantwortet werden. Das meine ich auch. Außerdem: Eine Partei, die sich ausschließlich dem Thema Zuwanderung und Integration widmen würde, wäre eine Rechtspartei. Und ich möchte keine Rechtspartei in Deutschland.
Frage: Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders hat Sie bei seinem Berlin-Besuch sehr gelobt . . .
Thilo Sarrazin: Ich weiß, die wollen mich vereinnahmen. Die FPÖ (Freiheitliche Partei Österreichs, islamkritisch) aus Österreich will mich ebenso wie die SVP (Schweizerische Volkspartei, islamkritisch) aus der Schweiz schon lange für Auftritte gewinnen. Aber das mache ich nicht. Ich lasse mich nicht in die rechte Ecke drängen.
Frage: Woher nehmen Sie so viel Energie, Zorn und Selbstbewusstsein, um so viel Streit anzufangen?
Thilo Sarrazin: Ich habe keinen Streit angefangen, sondern schwierige Sachverhalte schlüssig dargelegt. Der Zorn kam nicht von mir, sondern von meinen Gegnern in Politik und Medien. Sie haben mich bestimmt seit der Veröffentlichung des Buches niemals zornig erlebt. Wenn man eine Sache durchdacht und den Punkt erreicht hat, an dem man sich sicher ist, dann muss man sich überlegen, ob man sich dazu öffentlich äußert. Geht man diesen Weg, dann muss man ihn auch zu Ende gehen. Sonst hätte man gar nicht erst anfangen sollen. Außerdem: Wer, wenn nicht einer wie ich, 65 Jahre alt, politisch erfahren und ohne materielle Bedrohungsängste, soll denn in Deutschland unangenehme Wahrheiten aussprechen? Manchmal habe ich den Eindruck, wir sind auf dem Weg in die Duckmäuser-Republik.
Die Anmerkungen [1] und [2] sind vom Forumsbetreiber.
Quelle: Woher nehmen Sie so viel Zorn, Herr Sarrazin?
Siehe auch:
Thilo Sarrazin: „Deutschland schafft sich ab.“
Thilo Sarrazin im Gespräch: „Klasse statt Masse“
Thilo Sarrazin im Gespräch: „Klasse statt Masse“ (das ganze Interview)
Was sind die Folgen der muslimischen Masseneinwanderung?
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1 Kommentare:
Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach Sarrazin das Sachinteresse für die Integrations-Debatte ab: "Angela Merkel hat nicht nur mein Buch kritisiert, sie hat auch die Bundesbank indirekt aufgefordert, mich aus dem Vorstand zu entfernen. Außerdem hat sie öffentlich erklärt, dass sie mein Buch nicht gelesen hat und auch nicht lesen wird. Daran mögen Sie das Interesse der Kanzlerin an der Sache, um die es hier geht, ablesen." Zitat Sarrazin. Wie auch immer, man kann dazu stehen wie mal will, Tatsache ist, dass das Thema wieder von der Tagesordnung verschwunden ist. So ist die Politik und dann wundern sich die Politiker, wenn immer weniger Menschen zur Wahl gehen, bzw. extreme Parteien gewählt werden.
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