Freitag, 3. September 2010

Das „goldene Zeitalter des Islam“ ist ein Mythos

Von Amirkabir

Dies ist ein Auszug aus dem Text „Das goldene Zeitalter des Islam“ des islamkritischen Blogs von Tangsir.

Der Zeitraum zwischen dem 8. und dem 13. Jahrhundert wird gerne als das „goldene Zeitalter des Islam“ betrachtet. Das war das Zeitalter des großen kulturellen Aufschwungs in der Philosophie, Naturwissenschaften, Baukunst, Medizin, Sprach- und Geschichtswissenschaften, der zu einer Blüte der islamischen Welt führte. Genau in dieser kulturellen Blütezeit der islamischen Welt, liegen die Wurzeln des muslimischen Überlegenheitsgefühls gegenüber dem Westen, der sie mit Stolz erfüllt. Während den Kreuzzügen trafen die Kreuzfahrer auf eine Zivilisation, die ihnen weit überlegen war. Dann verschob sich das Gleichgewicht zu Gunsten der Europäer und die islamische Welt erstarrte in alten Traditionen, bis sie ab Mitte des 19. Jahrhunderts, mit einem überlegenen Westen konfrontiert wurden.

Die Situation der Wissenschaften während der arabischen Besatzungszeit

Fälschlicherweise werden die wissenschaftlichen Errungenschaften im islamischen Raum als „goldenes Zeitalter des Islam“ bezeichnet. Warum sollte dafür der Islam verantwortlich sein? Der Logik der Erfinder des „goldenen Zeitalters des Islams“ folgend, müsste die Vielgötterei der Griechen zu der erhabensten Religion überhaupt erklärt werden, denn die großartigsten Werke griechischer Philosophie sind unter Zeus entstanden. Aber niemand kommt auf die Idee, die Denk- und Geistesleistung eines Sokrates und Aristoteles mit Zeus und Aphrodite in Verbindung zu bringen. Wieso sollte aber der Islam für die Geistesleistung im islamischen Raum verantwortlich sein und warum bietet der Islam jetzt im Bereich der Wissenschaften einen so jämmerlichen Anblick?

Die Antwort ist einfach: Der Beginn des sogenannten „goldenes Zeitalters des Islam“ fällt nämlich genau in die vierhundertjährige Besatzungszeit des Iran durch die Araber unter den grausamen „Omayiden“ und „Abbasiden“. Was hier als „golden“ bezeichnet wird ist nichts anderes als das, was Iraner auf Grund ihrer Geschichte und Kultur geleistet haben. Die Araber jener Zeit wussten nichts über Staatskunst, Architektur, Kunst, Mathematik, Astronomie und Zeitrechnung. Sie wussten noch nicht einmal was Münzen sind. Wie könnten sie mit nichts außer dem Quran (Koran) in den Händen ein solches Zeitalter begründen? Als nach vier Jahrhunderten die Islamisierung Irans weitgehend vollzogen war, erlosch auch allmählich das Licht des Wissens im Iran und im ganzen islamischen Raum.

Die Natur der Araber

Die Historiker der islamischen Welt waren schon zu Beginn der Entstehung des Islam im Unklaren darüber, ob die anfänglichen islamischen Eroberungen der Araber auf religiösen oder auf ökonomischen Gründen basierten. Heute können die bekannten und unzweifelhaften Geschehnisse jener Araber, in den Schriften des berühmten arabischen Historikers Ibn Khaldun, nachgelesen werden. Der bedeutendste Historiker des 20. Jahrhunderts Arnold J. Toynbee sieht in Ibn Khaldun den wahren Gründer der Geschichtsphilosophie. Dr. Shojaedin Shafa zitiert in „Paz az 1400 saal“ (S.299-301) Ibn Khaldun.

Aus dem Al Moqaddama: „Das natürliche Talent der Araber ist die Plünderung und Ausbeutung anderer; was sie im Besitz anderer sehen, veranlasst sie zu Diebstahl und Raub. Sie ernähren sich durch ihre Lanzen und Schwerte; sie kennen keine Grenze bei der Beraubung und Plünderung anderer; im Gegenteil rauben sie alles aus von Reichtümern, Hab und Gut bis zu Werkzeugen. Wenn sie ein Land bei ihren Eroberungszügen besetzen und ihre Herrschaft und Macht in diesem Land geltend machen, achten sie nicht auf die Erben der Menschen; deswegen werden die Besitztümer aller durch die Besatzer mit Füßen getreten und geraubt. So wird der Wohlstand verringert und die Zivilisation stirbt aus. Sie sind auch der Grund, weshalb der Wohlstand und die Gesellschaft verdorben wird; denn sie ignorieren die Künstler und Handwerker und verachten diese.

Der Wohlstand in einer Gesellschaft kann durch die Vernichtung solcher Berufe zugrunde gerichtet werden. Die Araber bemühen sich nicht um Gesetze oder Regeln, die den Diebstahl und die Aggressivität den Menschen gegenüber verbieten, sondern sie bemühen sich nur darum, die Besitztümer der Menschen durch Raub und Erpressung an sich zu reißen. Wenn sie ihr Ziel erreichen, walten sie keiner Gnade um des Volkes und seines Wohlergehens. Sie achten nicht darauf, die Menschen unter ihrer Führung den richtigen Weg zu weisen und halten die Missetäter nicht davon ab, weiterhin Verderbtheit über das Volk zu bringen. Wie so oft veranlasst ihre Habsucht und Raffgier sie dazu, Geldstrafen zu verhängen, aber ihr Ziel dabei ist nicht, die Gemeinschaft zu verbessern, sondern höhere Abgaben und Kopfsteuern zu erzielen und durch diese Methoden die eigenen Reichtümer zu vergrößern.

Denn Strafen zu verhängen um die Täter zu bestrafen, halten keinen ab das verbrecherische Verhalten zu ändern. Im Gegenteil helfen die Strafen, welche eher Bestechung sind, ihnen weiter zu machen. Letzten Endes lebt das von Arabern in Chaos und Anarchie beherrschte Volk so, als ob es keine gesetzliche Macht mehr gäbe. Chaos und Anarchie sind ebenso Ursache für die Vernichtung und Verderbtheit eines Wohlstands und einer Zivilisation. Dieses Volk ist von Natur aus bestimmt, zu plündern und zu vernichten; was sie finden, nehmen sie als Beute. Aufgrund ihrer Eigenschaft der Barbarei ist die Herrschaft über sie (über das Volk) ebenso mit Grobheit, Habsucht und Rivalität verbunden, weswegen sie ungern beherrscht werden wollen. Es ist selten, dass sie wegen einer Sache übereinstimmen.

Wenn es aber um ihren Glauben oder irgendein neues Land geht, lässt dieses hindernde und herrische Gefühl, und die Anmaßung und Konkurrenz (unter ihnen) nach. Sie verbünden sich und begehen gemeinsam den Weg zur Errungenschaft eines Sieges oder einer neuen Eroberung. Und so versammeln sich diese Araber, die stolz darauf sind, Skorpione und Zecken zu verzehren, an Tagen, die nicht besser als in Qorayš [1] sind, unter der Fahne des Propheten (Allahs Segen und Heil auf ihm) und unternahmen Eroberungszüge in Richtung des persischen und römischen Reiches. Sie besetzten diese und fingen an sich mit den weltlichen Angelegenheiten zu befassen; sie häuften große Reichtümer, so dass sie bei manchen Kriegen jedem arabischen Reiter an die Tausend Goldmünzen oder im selben Wert Silber verteilten und raubten unermesslichere Beuten.
[1] Gemeint sind hiermit wohl die Koreischiten (auch Quraisch, Quraish, Quraysh, Qurayshan, Quraiš genannt), ein arabischer Stamm aus Mekka, von dem der Prophet Mohammed abstammt.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass die Eroberungen der Araber immer die Zerstörung der jeweiligen Zivilisationen mit sich brachten, denn die kultivierten, blühenden und bebauten Städte wurden von ihren Bewohnern verlassen. Die Felder änderten sich zum Ödland. Das Land Jemen hat sich außer ein paar seiner Städte zu einer Ruine entwickelt. Die iranische Zivilisation im Lande Irak wurde völlig zerstört und dieselbe Situation herrscht in Syrien. Banu Hilal und Banu Sulaym (zwei arabische Stämme), die bis nach Tunesien und Marokko eingedrungen waren und annähernd 350 Jahre für ihre Vorherrschaften gegeneinander Kriege geführt haben, und sich in diesen Ländern niederließen, vernichteten grüne Landflächen. Die Gebiete zwischen dem Mediterranen Meer und dem Sudan, die vorher bebaut und besiedelt waren, sind heute nur noch eine Wüste, worin übrig gebliebene Ruinen, Flachreliefe und ein paar Dörfer nur noch an eine Zivilisation erinnern.(aus Al-Moqaddama von Ibn Khaldun, Kapiteln in der Reihe nach 27, 28 u. 21).

Diese Passagen, die aus Al-Moqaddama entnommen sind, sind einige der wenigen Kritiken des Ibn Khaldun an die Araber. Über die Natur der Araber im Quran, worin das Wort an den Propheten gerichtet ist, steht geschrieben: „Doch wenn sie eine Ware sehen oder ein Spiel, dann brechen sie sogleich dazu auf und lassen dich stehen.“ Sure 62:11

Die Araber, die ihre Ideologie den Menschen durch Krieg, Vergewaltigung, Verschleppung, Versklavung und Mord aufgezwungen haben waren dermaßen kulturlos, zurückgeblieben, unwissend gegenüber zivilisierten Iranern, derart mit Hass erfüllt, dass sie nicht einmal wussten was sie mit dem erbeuteten Teppich „Baharestan“, der heute zu den Weltwundern gezählt hätte, anfangen sollten. Diese kulturlosen Araber, haben diesen wertvollen Teppich einfach in Stücke gerissen, und dessen Teile unter sich als Beute verteilt. Diese Barbaren, die Iran nach 15 Jahren Krieg besetzten, hatten weder Kultur noch sonstige Fähigkeiten, um nur im Entferntesten etwas Ähnliches wie ein „Goldenes Zeitalter“ zu begründen. Alles das, was in dieser 400 jährigen Besatzungszeit Irans im islamischen Raum geleistet wurde, verdankt die Welt Iranern und nicht dem Islam. Die Araber haben die iranischen Wissenschaftler und Gelehrten verschleppt und gezwungen ihre Bücher ins Arabische zu übersetzen, um sie als arabische und islamische Errungenschaft zu deklarieren, nachdem diese Barbaren erst nach über 100 Jahren Besatzung und Zerstörung im Iran angefangen haben zu verstehen, was Bücher überhaupt sind.

Araber, Türken und Islam reklamieren iranische Errungenschaften für sich

Viele dieser großartigen (iranischen) Wissenschaftler wurden, nachdem sie ihre Dienste für die Besatzer geleistet hatten ermordet. Andere wiederum, wie Ibn Sina (Avicenna = persischer Arzt, Physiker, Philosoph, Jurist, Mathematiker, Astronom und Alchemist), waren ihr Leben lang auf der Flucht oder im Gefängnis und mussten so unter schwierigsten Bedingungen ihre Werke verfassen. Es sind Männer wie Ibn Sina, die die Türken und Araber im Gewand des heiligen Islam für sich beanspruchen, denn sie wollen nicht wissen wie der orthodoxe Islam über Männer wie Ibn Sina dachte: So schrieb der Theologe Magd Al-Dine-Baghdadi: „Ich sah den Propheten im Traum. Ich fragte ihn: Was sagst du zu Ibn Sina? Er antwortete mir: Das ist ein Mann, der sich anmaßt, zu Gott zu gelangen und glaubte dabei meiner Hilfe nicht zu bedürfen. Daher habe ich ihn hinweggefegt, so, mit meiner Hand, da ist er in die Hölle gefallen“.

Ein anderer Theologe Ibn Al-Athir erwähnt die Ereignisse von 1037 berichtend, die Namen der in jenem Jahr verstorbenen und schreibt: „Im Monat Shaban (Fastenmonat) jenes Jahres starb Abu Ali Ibn Sina, der berühmte Arzt und Philosoph, Verfasser von Werken, welche den Lehren der Philosophen gemäß bekannt. Er diente dem Fürsten Ala Ad Dawla. Es besteht kein Zweifel daran, dass dieser ein Falschgläubiger war, weshalb in seinem Reiche Ibn Sina auch die Dreistigkeit besaß, seine von Häresien (Gotteslästerung) befleckten Werke wider der göttlichen Gesetze zu schreiben.“ Das größte Werk Ibn Sinas, „Der Kanon der Medizin“ sollte für die nächsten 600 Jahre das Standardwerk für Medizinstudenten im Orient wie an europäischen Universitäten in Montpellier, Paris oder Jena bleiben. Die Barbaren des Islam aber, nannten Männer wie Ferdowsi, Hafez, Saadi, Khayyam, Ibn Sina, Razi und Biruni „mortad“ (Ketzer) und sie machten deren Leben so schwer wie nur möglich.

Wesentlich zu dieser Blütezeit hat auch beigetragen, als ein chinesischer Kriegsgefangener Mitte des achten Jahrhunderts das Geheimnis der Papierherstellung verraten hat. Von nun an konnte die Buchproduktion deutlich erhöht werden, man war nicht mehr darauf angewiesen im Zentrum des Reichs, in Bagdad zu leben um sich Wissen anzueignen. Zwischen Andalusien und Zentralasien entstanden Bibliotheken mit Beständen von Tausenden Bänden, Zur selben Zeit waren die Mönche in den Klöstern des christlichen Europa stolz, wenn sie mit etwa 100 Büchern eine der größten Bibliotheken der Christenheit besaßen.

Die erste iranische Renaissance

Je unabhängiger die Kleinstaaten im islamischen Reich wurden, und je mehr den arabischen Kalifen die Kontrolle über das Reich entglitt, die ab Mitte des zehnten Jahrhunderts neben- oder nacheinander in den Gebieten des Iran vorherrschten, desto schwächer wurde der arabisch-islamische Einfluss zwischen Bagdad und Buchara und umso mehr konnten Wissenschaft und Philosophie blühen. 30 Jahre lang schrieb der iranische Dichter Ferdowsi im 11. Jahrhundert am „Shahnameh“, dem Buch der Könige. Mit diesem Werk erhebt der Dichter, etwa drei Jahrhunderte nach dem Untergang des großartigen Weltreiches der Sassaniden (persische Großreich), die Persische Sprache erneut zur Literatursprache und rettet damit die Persische Sprache als Gesamtes. Während die meisten der von den muslimischen Barbaren eroberten Länder ihre Kultur und Sprache für immer verloren hatten, sollte er mit diesem Werk dies verhindern.

Ferdowsis Geschichte über Aufstieg und Fall von 50 iranischen Herrscherhäusern beginnt in mythischer Vorzeit und endet mit der islamisch-arabischen Eroberung als nationale Katastrophe. Dazwischen erzählt er in Tausenden gereimten Zeilen von iranischen Werten, den Abenteuern Rostams, Sohrabs, Siawaschs und anderer Helden, von heldenhaften Taten; von ihren Affären mit atemberaubend schönen iranischen Frauen, schlank wie Zypressen und strahlend wie der Mond; vom ausgelassenen Leben bei Hofe, voller Musik, Tanz und Wein; und vom Dilemma guter Menschen, die unter bösen Herrschern zu leiden haben. Er erinnerte die Iraner an die Wurzeln ihrer iranischen Identität und bis heute erfährt sein großartiges Werk das Echo in den Köpfen vieler Iraner.

Manchmal war das Gefängnis die Strafe für die wertvolle Arbeit iranischer Wissenschaftler, manchmal das Exil. Von Zeit zu Zeit wurden ihre Werke ins Feuer oder ins Wasser geworfen und vernichtet oder aber ganz nach islamischer Sitte als Schlaggegenstand benutzt, bis sie starben oder schwer verletzt wurden. Den Iranern blieb gezwungenermaßen unter der 400 jährigen Besatzung nichts anderes übrig als ihre Begabungen und Fähigkeiten, die eben nicht der Ideologie der Barbaren entstammten unter dem Deckmantel Islam zu präsentieren. Dr. Zabihollah Safâs Buch, „Târixe Adabiyyâte Iran“ beschreibt hierzu das dramatische Leben und Schicksal von fünfzig iranischen Wissenschaftlern und Denkern während der arabischen Besatzungszeit. Die gegenseitigen Überbietungen an Feindseligkeit gegen die Philosophen im Allgemeinen und den iranischen Philosophen im Besonderen, hielten zunächst bis 1218 an, dem Jahr, in dem die mongolische Invasion stattfand.

Iranische Wissenschaftler trieben die Kodifizierung (Normierung) des islamischen Rechts voran und verfassten die erste Grammatik der arabischen Sprache. Sie stellten auch die meisten Übersetzer der neu gegründeten Bibliothek von Bagdad. Dort wurden in den kommenden drei Jahrhunderten die Texte von Aristoteles, Plato, Galen und anderen Denkern der Antike ins Arabische übersetzt. So entstand ein Kanon des Wissens in Philosophie, Mathematik, Medizin, Geschichte und Literatur, der später über Spanien und Sizilien den Weg nach Europa findet und dort zur Keimzelle einer Renaissance der Wissenschaften wurde.

Und das Ergebnis heute ist, dass die Araber und Türken, die grausame vierhundertjährige Besatzungszeit des Iran unter den blutrünstigen Omayiden und Abbasiden als „Goldenes Zeitalter des Islam“ bezeichnen. Beste Unterstützung bekommen sie auch von zweifelhaften Gestalten, die auf Quellen verweisen, in denen die großartigen Iraner „Ibn Sina, Omar Khayyam, Ferdowsi, Biruni, Razi, u.v.a. als Araber oder Türken bezeichnet werden.

Über den Autor: Amirkabir ist ein Exiliraner und lebt in Italien.

Quelle: Das goldene Zeitalter des Islam

Siehe auch:
Islamisches Spanien - Der Mythos vom friedlichen Al Andalus
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