Ein überstürzter Abzug aus Afghanistan würde Millionen von Mädchen und Frauen der Sklaverei unterwerfen, mahnt Ursula Plassnik, die Sonderbeauftragte des österreichischen Außenministeriums für internationale Frauenangelegenheiten. Es wäre ein Verrat an unseren Werten, für die wir vorgeben, am Hindukusch zu kämpfen. Der Westen dürfe Menschenrechte und Moral nicht geostrategischem Kalkül unterwerfen.Jeden Tag sehen wir es an vielen Beispielen: Die konkreten Lebensumstände von Frauen, ihre Sicherheit und Freiheit, sind weltweit ein Eckpfeiler einer vernünftigen Sicherheitspolitik. Es wäre ein tragisches Missverständnis, dieses Thema als „Frauenthema“ beiseite zu schieben. Denn ein Blick auf die geopolitische Landkarte 2010 zeigt, dass heute die Frauen in Afghanistan und Pakistan besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Es geht um mehr als hundert Millionen Menschen (Afghanistan hat 25 Millionen Einwohner, Pakistan hat 172 Millionen Einwohner), deren Lage nach langen Kriegswirren besonders prekär ist. Frauen haben in der Region zwei Perspektiven: entweder de facto (tatsächlich) Versklavung gemäß den Gesellschaftsvorstellungen der Taliban oder Mitwirkung am Aufbau ihrer Länder gemäß den modernen Standards der internationalen Gemeinschaft.
Wir sind dabei keine Zuschauer. Es wird maßgeblich an Amerika und Europa liegen, wie die Zukunft der Frauen in diesen beiden Ländern aussieht. Was eine Machtübergabe an die Taliban für die Frauen bedeutet, konnte man vor einem Jahr im pakistanischen Swat-Tal genau verfolgen. Dort hatte eine schwache Regierung den Taliban die Kontrolle übergeben. Denselben Taliban, die gezielt Mädchenschulen zerbombt, Frauen vom öffentlichen Leben entfernt und die Steinigung wieder eingeführt hatten.
Es war zu einem guten Teil einer mächtigen Frau, nämlich Hillary Clinton zu verdanken, dass im Frühjahr 2009 die internationale Öffentlichkeit mobilisiert wurde. Islamabad (Hauptstadt von Pakistan) hat beim Swat-Tal (vorläufig?) den Retourgang eingelegt. In beträchtlichen Teilen Pakistans sind die Machtverhältnisse aber nach wie vor unklar. Noch um einiges düsterer ist das Bild in Afghanistan. Die Londoner Konferenz hat vor wenigen Wochen den Weg für Verhandlungen mit den „gemäßigten“ Taliban gedanklich geöffnet. Erste Gespräche haben offenbar bereits stattgefunden. Die Weichen sind mittelfristig auf Rückzug der Nato-Einheiten gestellt. So vernünftig diese Entwicklung sein mag, so gefährlich kann sie für die Hälfte der Bevölkerung, für die Frauen, werden. Die Taliban kennen keinerlei „gemäßigte“ Vorstellungen von der Rolle der Frau in der afghanischen Gesellschaft. Wo immer sie die Kontrolle haben, ist dies zum Nachteil der Frauen: keine persönliche Freiheit, kein Recht, kein Zugang zu Bildung, Gesundheitsdiensten, wirtschaftlicher Selbständigkeit, und erst recht keine politische Mitwirkung.
Es besteht die Gefahr, dass Afghanistans Frauen auf dem Altar zu kurz greifender Sicherheitsvorstellungen geopfert werden. Die Gefahr, dass der Westen früher oder später seinen Abzug aus Afghanistan gegen die Zukunftschancen der Frauen eintauscht. Nachhaltige Sicherheit kann aber in einer Gesellschaft ohne die vollwertige Einbeziehung der Bevölkerungsmehrheit der Frauen nicht angedacht, geschweige denn gewährleistet werden. Das Argument, die afghanischen Frauen kennten kein anderes System und man müsse die lokalen Traditionen respektieren, ist zynischer Verrat an allen Werten, für die der Westen sich in Afghanistan sogar militärisch engagiert.
Es gibt genügend realitätsnahe und wirksame Strategien zur Einbeziehung der Frauen. In den vergangenen Jahren sind in der Region eine Fülle zivilgesellschaftlicher Initiativen für Frauen entstanden. Bildungseinrichtungen, Beschäftigungsmodelle, Gesundheitsdienste, Rechtsstaatlichkeitsprogramme, das alles gibt es. Die internationale Politik kann hier sinnvoll von der internationalen Zivilgesellschaft lernen. Die Militärs wissen übrigens längst, wie eng ihre Arbeit mit dem Vertrauen einer keimenden Zivilgesellschaft vernetzt sein muss. So wird die Herstellung von Teilen des US-Armeebedarfs, etwa T-Shirts und Decken, mittlerweile bei afghanischen Frauen in Auftrag gegeben. Die Regeln für das Verhältnis von Frauen und Männern müssen in traditionsdominierten Gesellschaften auch von oben her geändert werden. Die islamische Welt schaut mit Interesse darauf, was der Westen in der Region zu leisten bereit und wozu er fähig ist.
Die Autorin, Ursula Plassnik, war von 2004 bis 2008 österreichische Außenministerin. Sie ist derzeit Abgeordnete zum Nationalrat und Sonderbeauftragte des österreichischen Außenministeriums für internationale Frauenangelegenheiten
Quelle: Nach Truppen-Abzug droht Frauen die Sklaverei
Die Unterdrückung der Frauen durch die Taliban
Sehen wir uns zunächst einmal an, wie die Unterdrückung der Frauen in Afghanistan durch die Taliban aussah, als sie in der Zeit von 1996 bis 2001 an der Regierung waren:
- Frauen hatten ihren ganzen Körper mit der Burka zu bedecken.
- Verbot, Frauen zu fotografieren oder zu filmen.
- Verbot von öffentlichen Bädern für Frauen.
- Verbot für Frauen, sich auf den Balkonen ihrer Wohnungen oder Häuser aufzuhalten.
- Verbot für männliche Schneider, bei Frauen Maß zu nehmen oder Frauenkleider zu schneidern.
- Umbenennung von Plätzen, die das Wort „Frauen“ im Namen haben. So wurde beispielsweise der „Frauengarten“ in „Frühlingsgarten“ umbenannt.
- Verbot für Frauen, an Flüssen oder öffentlichen Plätzen Wäsche zu waschen.
- Verbot für Frauen, sich zu festlichen Anlässen oder zur Erholung zusammenzutun.
- Verbot für Frauen, Sport zu treiben oder einen Sportclub zu betreten.
- Verbot des Auftritts von Frauen im Radio, Fernsehen und jeder Art von Kommunikationsmedien.
- Verbot für Frauen, Fahrrad oder Motorrad zu fahren.
- Verbot für Frauen, ohne Begleitung eines Angehörigen oder Verwandten ein Taxi zu benutzen.
- Verbot für Frauen, Absatzschuhe zu tragen, die beim Gehen Geräusche verursachen. Ein Mann durfte die Schritte einer Frau nicht hören.
- Verbot für Frauen, laut zu lachen. Kein Fremder sollte die Stimme einer Frau hören, denn dies lockte die Männer angeblich ins Verderben.
- Verbot für Frauen, Schmuck zu tragen oder Kosmetika zu verwenden, auch lackierte Fingernägel waren verboten.
- Verbot für Frauen, Kleidung in bunten oder grellen Farben zu tragen.
- Alle Erholungs- und Sportmöglichkeiten für Frauen wurden geschlossen.
- Mangelnder Rechtsbeistand von Frauen vor Gericht: So galt etwa die Zeugenaussage einer Frau nur halb so viel wie die eines Mannes. Eine Frau konnte auch nicht direkt einen Antrag an ein Gericht stellen, sondern nur durch einen vorgeschriebenen männlichen Angehörigen aus dem engsten Familienkreis.
- Einschränkungen der Bewegungs- und Reisefreiheit für Frauen.
- Verbot für Frauen, mit nicht verwandten Männern zu sprechen oder ihnen die Hand zu geben.
- Verbot für Frauen, mit männlichem Verkaufspersonal zu verhandeln.
- Verbot jeglicher Frauenarbeit außerhalb des eigenen Hauses.
- Frauen war ärztliche Behandlung nur in Begleitung eines Mannes erlaubt und nur durch weibliche Ärzte. Da für Frauen faktisch ein Berufsverbot bestand, gab es keine Ärztinnen und somit auch keine Behandlung für Frauen.
- Verbot bzw. Verhinderung der Familienplanung, Empfängnisverhütung und Schwangerschaftsabbruch durch Frauen.
- Frauen war das Verlassen des Hauses nur in Begleitung männlicher Verwandter erlaubt.
- Die Fenster der Häuser waren teilweise als Sichtschutz mit Farbe bemalt, so dass sie nur durchscheinend, aber nicht mehr durchsichtig waren.
- Verbot des Besuches jeder Art von Bildungseinrichtung (Schule, Hochschule) für Mädchen und Frauen.
So etwas gibt es nur in islamischen Staaten. In keinem christlichen Land der Welt wird man so etwas finden. Darüber hinaus gab es noch Vorschriften, die nicht nur die Frauen, sondern ebenso die Männer und teilweise auch die Nichtmuslime betraf: Das alles erinnert irgendwie an eine diktatorische Steinzeitkultur.
- Verbot von Kameras.
- Verbot von Kino, Fernsehen und Videorekorder.
- Verbot von Internet.
- Verbot bestimmter Freizeitbeschäftigungen, wie etwa die Züchtung und Haltung von Vögeln oder das Drachensteigenlassen.
- Verbot weltlicher Musik (gesungene Koranverse waren jedoch erlaubt).
- Vorschrift für Männer, islamische Kleidung zu tragen (Turban, Kappe, langes Gewand etc.).
- Nichtmuslime mussten ein gelbes Abzeichen sichtbar auf der Kleidung tragen.
- Amputation von Körperteilen bei mutmaßlichen Verbrechern.
- öffentliche Hinrichtungen (z. B. Steinigungen oder Erschießungen).
- Zerstörung von Götterbildnissen (etwa der riesigen Buddha-Statuen von Bamiyan aus der Gandhara-Kultur).
- Prügelstrafe oder Inhaftierung von Männern, deren Bärte zu kurz waren.
Quelle: Taliban*
Die oben angeführten Informationen über die Unterdrückung der Frauen und Männer in Afghanistan waren vor einiger Zeit noch auf der Seite von wikipedia.org zu finden. Mittlerweile hat man sie leider gelöscht. Man hatte wahrscheinlich wieder nicht genug Rückgrat, die Realität in Afghanistan zu zeigen. Dies ist für mich der Versuch, die Wahrheit über die Zustände in den islamischen Staaten zu unterdrücken.
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