Sonntag, 29. Juni 2008

Kateri Tekakwitha 1

Die heilige Irokesin Kateri Tekakwitha

Die spektakulärste aller Bräute Christi aus der Neuen Welt, ist die Irokesin Kateri Tekakwitha, die auch als Katharina oder Katerina Tebakwitha bekannt ist. Sie wurde Jahrhunderte nach ihrem Tod als römisch-katholische Heilige gefeiert und als hypnotisierende tragische Heldin in einem Buch des kanadischen Sängers und Schriftstellers Leonard Cohen beschrieben, der ihre Biographie in seinem Buch "Beautiful Loosers" veröffentlichte. Katerí Tekakwitha kam im April 1656 als erstes Kind des Mohawks-Häuptlings Tsonitowa (Großer Biber) und dessen Frau Kahonta (Wiese) in der Siedlung Ossernenon, heute Auriesville im US-Bundesstaat New York (USA), zur Welt. Weil sie geboren wurde, als die Sonne aufging, erhielt sie den Kosenamen „Joragode“ (Sonnenschein).

Kateri's Mutter, Kahonta, gehörte ursprünglich einem Stamm der Algonkin209 an und hatte mit ihren Eltern in einer Siedlung am Sankt-Lorenz-Strom in Kanada gewohnt. Sie wurde in früher Jugend zur Waise und danach von einer französischen Familie katholisch aufgezogen. Als Zwölfjährige geriet sie bei einem Überfall in die Gewalt der Mohawks, arbeitete dann als Sklavin210 im Haushalt des Kriegers, der sie gefangen genommen hatte, und wurde mit 19 Jahren die Frau des Häuptlings Tsonitowa. Am 17. April 1680 starb Katerí Tekakwitha im Alter von nur 24 Jahren in Caughnawaga. Nach ihrem Tod verschwanden innerhalb von zehn Minuten ihre Pockennarben, die ihr Gesicht seit einer Pockenepedemie im Alter von 4 Jahren entstellten.

209Die Algonkin sind verschiedene Indianerstämme, die zwischen den beiden kanadischen Provinzen Ontario und Quebec leben. Als die Algonkin im Jahr 1603 den ersten Kontakt mit den europäischen Siedlern aus Frankreich hatten, bestand ihre Bevölkerungszahl aus schätzungsweise 6.000 Menschen. Heute leben etwa 8.000 Algonkin in Kanada in zehn verschiedenen Stämmen, neun davon in Québec, einer in Ontario.

Quelle: Algonkin

210Bei den Irokesen war die Behandlung von Gefangenen sehr grausam und zeigt deutlich südlichen (mexikanischen) Einfluß. Bevorzugt wurden junge Männer, aber auch Frauen und Kinder gefangen genommen. Man war bemüht, so viele Gefangene zu machen, wie nur irgend möglich. Die Gefangenen wurden gewaltsam ins Dorf getrieben und wer nicht mehr mithalten konnte, wurde getötet. Im Dorf bildeten die Bewohner zwei Reihen, ähnlich wie der Spießrutenlauf der Preußen, und ließ die Gefangenen hindurchlaufen. Man schlug mit aller Kraft mit Stöcken auf sie ein. Im Anschluß wurden die Gefangenen an die Frauen verteilt, die zuvor einen Angehörigen zu beklagen hatten. Die gefangenen Kinder wurden in den Stamm aufgenommen, hingegen wurden Frauen und alte Männer wie Sklaven gehalten. Ob ein Mann sterben sollte oder am Leben blieb, entschieden die Matronen (die älteren Clanmütter). Ein Mann der am Leben blieb, wurde in den Stamm integriert und der ehemalige Stamm nahm es ihm nicht einmal übel. Wer sterben sollte, wurde auf grausamste Weise zu Tode gefoltert, nicht um sich an dieser Folterung zu erfreuen, sondern aus religiösen Gründen. Der zum Tode Verurteilte, wurde Areskoi geopfert, dem Geist des Krieges und der Jagd (dem Kriegsgott), vielleicht auch der Sonne. Gab es keinen männlichen Gefangenen, so opferte man eine Frau. Man brachte dem Opfer Achtung entgegen. Der Brauch einen Menschen zu opfern und ihn vor der Opferung zu bewirten, stammt aus dem Süden, genauer aus Mexiko. Es ist jedoch nicht nachvollziehbar, warum die Irokesen eine solche Folterung vornahmen.

Die Folterung der Irokesen war ihr Brauch und geopfert wurden Algonkin und Weiße. Von den Algonkin wurde diese Folterung aus Rache ausgeübt, wenn sie einen Irokesen fangen konnten. Die Irokesen waren sehr gefürchtet und man haßte sie. Ihr schlechter Ruf wurde später auf alle Indianer übertragen. Die Irokesen-Stämme lagen noch vor 500 Jahren in ständigen Streitigkeiten, was sie daran hinderte Ligen oder Allianzen zu bilden. Es kam jedoch vor, dass zwei oder mehrere Stämme sich verbündeten, aber eine solche Verbindung war immer nur von kurzer Dauer. Das dies so war, liegt bestimmt an der Blutrache. Wurde ein Mann getötet, so mußte ein Mann vom Stamm sterben, der ihn tötete, selbst wenn es unbeabsichtigt geschah. Wenn die Irokesen unterwegs waren ein Nachbardorf anzugreifen, wurde ihr Dorf in ihrer Abwesenheit von Algonkin-Stämmen überfallen und dem Erdboden gleich gemacht.

Quelle: Die Indianer Nordamerikas

Als Kateri vier Jahre alt war, dezimierte eine Pockenepedemie211 ihr Dorf und infizierte ihre ganze Familie. Dabei starben ihre Eltern und ihr jüngerer Bruder. Kateri erholte sich, aber die Krankheit entstellte ihr Gesicht und schädigte ihre Sehkraft. Einige Monate nach dem Ende der Pockenepidemie verließen die Mohawks im Sommer 1660 Ossernenon und errichteten auf der Anhöhe Ganawage („An den Wasserwirbeln“) nahe des Mohawk-Flusses eine Siedlung. Im neuen Wigwam streckte die halb blinde Jarágode oft die Arme vor, um nicht anzustoßen, und tastete sich voran. Deswegen nannte ihr Stiefvater sie scherzhaft „Te ka kwithwa“ („Sie schiebt vor sich hin“), was nach ihrem siebten Geburtstag ihr endgültiger Name wurde.

Das verwaiste Kind lebte nun bei ihrer Tante und ihrem Onkel, Traditionalisten, die der aktuellen Welle der christlichen Bekehrung widerstanden. Sie lehrten Kateri irokesische Werte und Kultur, nahmen sie mit auf die alljährliche Jagd und bereiteten sie auf ein Leben als Irokesenfrau vor. Sie sammelten Brennholz, kultivierten die Kornfelder und schmückten sich mit dem Schmuck der Eingeborenen. Als Kateri zehn Jahre alt war, besiegten die Franzosen die Irokesen, die durch den anschließenden Friedensvertrag gezwungen waren, ihr Land für die jesuitischen Missionare zu öffnen. Ein Jahr später erreichten drei Jesuiten Kateri's Dorf. Obwohl Kateri's Onkel diese feindlichen Abgesandten hasste, verlangte es seine Position als neuer Häuptling, sie zu begrüßen. Später kehrte einer dieser Jesuiten zurück und konzentrierte sich auf die irokesischen Stämme der Huron und Algonquin, die, wie Kateri's Mutter, bereits zum Christentum übergetreten waren.

211Die europäischen Eroberer brachten die Pocken nach Amerika mit, wo sie unter den Ureinwohnern Amerikas, den Indianern, verheerende Epidemien auslösten, die Millionen von Toten forderten. Die Europäer dagegen waren durch zahlreiche frühere Pockenepidemien relativ wenig gefährdet. Schlimmer jedoch schlugen die epidemisch (zeitliche und örtliche Häufung einer Krankheit), ja pandemisch (kontinentübergreifende Verbreitung einer Krankheit) auftretenden Seuchen zu, die von den Spaniern und den von ihnen nach Amerika versklavten Schwarzafrikanern übertragen wurden. Die Ratten, die ihre Schiffe verließen, um die Neue Welt zu erobern, waren ihre ungeliebten Verbündeten. Die Ureinwohner Nord- und Südamerikas besaßen aufgrund ihrer jahrtausendelangen Isolierung vom Rest der Welt keine natürliche Immunität gegen die auf sie eindringenden Krankheitserreger. Sie hatten auch keine Erfahrungen, mit den neuartigen Krankheiten umzugehen. Durch verschiedene Seuchen und Epidemien (Pocken, Masern, Grippe, Syphilis), die von den Europäern, den Afrikanern und den Ratten eingeschleppt wurden, starben etwa 90 Prozent der amerikanischen Ureinwohner.

Quelle: Das große Leiden

Erinnerte sich Kateri an den Glauben ihrer Mutter? Machte ihre traditionelle Familie ihr deswegen Vorwürfe? Oder wurde sie durch die Jesuiten interessiert und inspiriert? War ihre Faszination für das Christentums also ein langbestehendes Phänomen, welches nur wieder auftauchte, als die Pubertät sie antrieb, in die Welt der Erwachsenen einzutreten? Was immer auch der Ursprung ihrer Sympathie mit dem Christentum gewesen sein mag, sie kam ans Licht, als Kateri in die Pubertät kam und ihre Familie sich über ihre Verheiratung Gedanken machte. Es war bei den Irokesen üblich, dass der Ehemann jagen ging, seine Frau mit Fleisch versorgte und einen Beitrag zum Erhalt des Langhauses212 seiner Frau beitrug. Aber Kateri weigerte sich, einer Ehe zuzustimmen und lenkte selbst dann nicht ein, wie einer jesuitischen Beschreibung zu entnehmen ist, als ihre wütenden Verwandten sie bestraften213. Die Familienkrise spitzte sich zu. Auf der einen Seite war die fleißige, tugendhafte und durch Pockennarben entstellte Kateri, auf der anderen Seite die Verwandten, die sie nach dem Tod ihrer Eltern beherbergt und beschützt hatten. Doch Kateri trotzte ihnen weiterhin und forderte dadurch sogar ihren Onkel, den Häuptling, heraus. Was tat er anders, als ihre Zukunft zu sichern, indem er versuchte, sich nach einem jungen und tapferen Irokesen umzuschauen, der seine unattraktive und schielende Nichte heiraten sollte?

212Die Irokesen lebten in einer matriarchalischen Gesellschaft. Jeder Stamm bestand aus verschiedenen Clans. Jeder Clan wohnte in einem Langhaus, das den Frauen gemeinschaftlich gehörte und matrilinear (von Mutter zu Tochter) vererbt wurde. Im Durchschnitt beherbergte ein Langhaus 5 bis 20 Familien. In einem Irokesendorf waren die Häuser eng zusammengebaut und von Holzspitzen bewehrten Palisaden umgeben, die gegen Angreifer ohne Feuerwaffen einen perfekten Schutz boten. Als Chefin des Clans fungierte die Clanmutter (Matriarchin), die den besten Krieger des Clans als Gehilfen nutzte. Die Clanmutter wurde in der Clanversammlung gewählt. Die Söhne und Töchter blieben zeitlebens im mütterlichen Clanhaus wohnen. Bei einer Heirat besuchte der Mann die Frau zeitweise in deren Clanhaus. Ehen konnten leicht gelöst werden. Frauen unterlagen keinem Sittlichkeits- und Jungfräulichkeitsgebot, da alle Kinder als Kinder der Mutter und des Mutterclans betrachtet wurden. Die biologische Vaterschaft der Kinder war weniger wichtig als die soziale Vaterschaft, die meist ein Bruder oder ein anderer Verwandter der Mutter den Kindern gegenüber ausübte.

Auch das Ackerland gehörte den Frauen, das sie gemeinsam bewirtschafteten. (Die Männer rodeten das Land und die Frauen leisteten die weitere Feldarbeit. Die Ernte wurde von den Frauen eingebracht.) Die Männer sorgten durch Jagen, Fischen und Handel für willkommene Zutaten. Der politische Willensbildungsprozess im Clan vollzog sich durch getrennte Versammlungen der Männer und Frauen. Anschließend suchte man eine Konsensbildung beider Gruppen. In der Versammlung der Frauen hatten die Frauen umso mehr Stimmgewicht, je mehr Kinder sie geboren hatten. Auch im Stammesrat und im Rat der Liga, dem höchsten Gremium der vereinigten fünf Irokesenstämme, waren Frauen und Männer gleichrangig vertreten.

Quelle: Irokesen

213Obwohl sie sonst immer ihrem Onkel und ihren Tanten gehorchte, wehrte sich Tekakwitha im heiratsfähigen Alter gegen den Wunsch ihrer Verwandten, zu heiraten. Als ihre Tanten ohne ihr Wissen den Eltern des jungen Kriegers Ojonkwire (Der Pfeil) sagten, Tekakwitha biete ihm die Ehe an, fiel sie nicht auf diese List herein: Sie rannte davon, als sie überraschend mit dem Bewerber verkuppelt werden sollte. Damals war sie noch keine Christin und hatte noch mit keinem Missionar gesprochen. In der Folgezeit behandelten die verärgerten Tanten Tekakwitha wie eine Sklavin. Sie luden ihr die schwersten Arbeiten auf, kritisierten sie oft als dumm, faul oder ungehorsam und bezichtigten sie, sie sei boshaft und gemein. Nach einigen Monaten gaben sie die Quälereien auf und hegten keine Heiratspläne mehr.

Quelle: Welt der Indianer

Kateri Takakwitha 2
Kateri Takakwitha 3
Kateri Takakwitha 4
Kateri Takakwitha 5
Kateri Takakwitha 6