Das Leben der heiligen Febronia
Die ägyptische Wüste war groß genug, um Schutz für ein paar verzweifelte oder entschlossene Frauen zu schenken, die ebenfalls in der beruhigenden Stille ihres felsigen Geländes mit Gott kommunizieren wollten. Ebenso wie die legendäre Maria von Ägypten, die über vierzig Jahre in der Wüste verbrachte, verbrachten auch einige andere weibliche Eremiten in der Wüste. (Wenn wir uns auch daran erinnern, dass Hans Conrad Zander meinte, dass diese Frauen wahrscheinlich nicht in der Wüste selber lebten, weil es für Frauen in der Wüste einfach zu gefährlich war.) Andere stellten Beziehungen mit asketischen Klöstern her und lebten in der Nähe in Lehmhütten, die sie selber im Stile ihrer väterlichen Mitbrüder herstellten.
Die Wüstenmütter standen vor denselben Herausforderungen wie die Wüstenväter: Hunger, Angst, Zweifel und Lust. Wahrscheinlich genau in dieser Reihenfolge. Maria von Ägypten erzählt in Wirklichkeit die Geschichte von Dutzenden von Wüstenmüttern. Ihre Bemühungen, Gleichgültigkeit gegen den immerwährenden Hunger zu erzielen, spiegelt die Erfahrungen, die die realen Wüstenmütter den Gelehrten und spirituellen Suchern erzählten, die sie trafen.
Die frühen Christen verehrten diese heiligen Frauen, die auf ihre Weiblichkeit, auf die Liebe und die Kindererziehung verzichteten, die Männer reizte, die Sünde Adams zu wiederholen. Was zählte, war nicht die große Aufgeschlossenheit, der Ehrgeiz, die Unabhängigkeit und die Entschlossenheit dieser Frauen, obwohl sie ohne diese Eigenschaften nicht in der Wüste überlebt hätten. Der Mangel ihrer Weiblichkeit, die Schäbigkeit ihrer schmucklosen Gewänder, ihre asketische Magerheit, ihre Begierdelosigkeit, die das Zölibat ermöglichte, dies, und natürlich ihre Hingabe an Gott, verehrten die christlichen Väter und Chronisten.
Febronia und Alexandra waren christliche Jungfrauen, die ihre Hingabe an die Jungfräulichkeit ernst nahmen. Sie isolierten sich von allen verleitbaren Kontakten zu Männern. Febronia war eine syrische Nonne, die seit ihrer Kindheit in einem Kloster in der Nähe von Nisibis aufgezogen wurde. Die Schwestern in dem Kloster waren für ihre Gelehrtheit und Weisheit berühmt und Febronia war außergewöhnlich talentiert. Sie war wegen des Eifers ihrer Askese berühmt und wurde dafür gepriesen, dass sie noch niemals einen Mann gesehen hatte oder mit einem Mann zusammen gesehen wurde. Aus diesem besonderen Grund wurde Febronias Name im Kloster wie auch in der Stadt in Ehren gehalten.
Während der Christenverfolgung 302 n.Chr. unter dem römischen Kaiser Diokletian entdeckten rachsüchtige Heiden diesen kostbaren Schatz und warfen sie ins Gefängnis. Sie waren von der Herausforderung begeistert, sie in der Öffentlichkeit einem sexuellen Verhör zu unterziehen, welches von Foltern begleitet war. Die heidnischen Männer genossen ihre Qualen, indem sie sie ausdehnten. So verhinderten sie ihren schnellen Tod, und ergötzen sich lange an ihrem Leid. Schließlich verließ sie, indem sie fromme Worte äußerte, die Welt, ohne ihrem Glauben zu widerrufen. Legionen von Frauen, die ihren Tod betrauerten, darunter auch viele heidnische Frauen, beklagten die Tragödie ihres Todes und ihre Verletzungen durch die Hand der Männer. Diese Frauen sahen Febronia nicht als die Gefangene eines Klosters, sondern als einen freien Geist, die ihr Leben der Bildung, der Kontemplation (dem Gebet) und der Liebe zu Gott gewidmet hatte. Obwohl sich ihr Leben innerhalb der Klostermauern abspielte, galt ihre Abgeschiedenheit vor den schädlichen Männern und ihre Existenz als gesegnet.
Das Leben der heiligen Febronia 2
Das Leben der heiligen Febronia 3
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