Montag, 10. März 2008

Kirchenmütter 1

Für viele Frauen war das Christentum eine überzeugende Religion, die zu gleichen Teilen viel abverlangte und viel gab. Sie umarmten es mit Begeisterung und richteten ihr Leben nach seinen Grundsätzen aus. Für einige war die extreme Askese, die Selbstgeisselung und das Fasten bis zum Verhungern, der Weg zur Erlösung. Für andere war es der selbsternannte, einsiedlerische Dienst an Gott, frei von den Zwängen der Ehe und den Haushaltspflichten, von der Schwangerschaft und Kindererziehung.

Es überrascht nicht, dass die Kirchenväter über die unkonventionellen Jungfrauen besorgt waren. Kirchenvater Tertullian's permanente Anweisungen, dass Jungfrauen Schleier tragen sollten, war seine Antwort auf die, die unverschleiert waren. Kirchenvater Hieronymus Bedenken über die Reisen der Frauen und ihre Vermischung mit den Männern, galt den Jungfrauen, die genau das taten. Und Kirchenvater Augustinus' scharfe Kritik gegen den unheiligen Stolz, richtete sich gegen die keuschen Jungfrauen, die sich öffentlich zu ihrer Unabhängigkeit bekannten.

Geschichten über außergewöhnliche Jungfrauen, erstaunten, beeindruckten, beeinflussten und empörten die christliche Welt. Ob wahr, wild verschönert oder vollkommen erdichtet, überdauerten diese Frauengeschichten Jahrhunderte und inspirierden unzählige andere Frauen zu einer mutigen und zuversichtlichen Hingabe an das Zölibat, zu einem religiösen Lebensweg.

Die Geschichte der römischen Adligen Constantina (320 - 354), die Tochter des christlichen Kaisers Konstantin dem Großen, und die spätere Frau des Kaisers Constantinus Gallus, ist in der Tat eine Fabel, die Legionen von Christen inspirierte. Merkwürdigerweise wird Constantina nicht als selbstsüchtige Herrscherin portraitiert, die sie gewesen zu sein scheint121, wenn sie sich auch am Ende ihres Lebens der Askese zuwendete und eine Basilika (Kirchengebäude von herausregender Bedeutung) und ein Kloster gründete. Aber es ist die gute Seite der Constantina und nicht die brutale, hinterhältige Frau, die den Historikern in Erinnerung blieb. Hier ist ihre Legende.

121Der römische Historiker Ammianus Marcellinus, der mehr als andere antike Geschichtsschreiber um Objektivität bemüht war, schildert Constantina als „Megäre“ (eifersüchtige Rächerin), die „gierig nach Menschenblut“ gewesen sei.

Obwohl Constantina's Vater Kaiser Konstantin der Große war, konnte ihre edle Abstammung sie nicht vor der Geißel der kindlichen Lepra schützen. Ängstlich und kränklich und aus Furcht vor dem Befall eines Organs durch die Krankheit, wurde sie wahrscheinlich durch ihre christliche Großmutter Helen zum Schrein der Heiligen Agnes, die 304 nach Christus als Jungfrau unter dem Terror des römischen Kaisers Diocletian, der die Christen brutal verfolgte, als Märtyrerin starb, mit nach Rom genommen. Während Agnes Gerichtsverhandlung verspottete der Ankläger (Staatsanwalt) das Christentum und warnte sie davor, dass sie vor ihrer Hinrichtung in ein Bordell gebracht werden würde, so dass sie nicht als Jungfrau sterben würde.

Da das römische Recht die Hinrichtung von Jungfrauen verbot, befahl man, sie vollständig zu entkleiden und anschließend zu vergewaltigen. Doch ihre Haare bedeckten, laut Legende, auf wundersame Weise ihren gesamten Körper und der ganze Platz erstrahlte in weißem Licht. Bei dem Versuch sie zu vergewaltigen, wurde der Sohn des Präfekten (Senators) von einem Dämon heimgesucht und starb. Agnes hat ihn aber durch ihr Gebet ins Leben zurückgerufen, worauf sie als Zauberin oder Hexe bezeichnet wurde. Als man Agnes daraufhin auf dem Scheiterhaufen verbrennen wollte, wich selbst das Feuer vor ihr zurück. Schließlich köpfte sie ein römischer Soldat.

Wie durch ein Wunder erschien die Heilige Agnes Constantina im Traum und sagte ihr, sie solle fest in ihrem Glauben an Jesus sein, der der Sohn Gottes und ein Heiler sei. Dann wurde Constantina am Grab der Heiligen Agnes geheilt. Zutiefst betroffen, gelobte sie einen festen Glauben und vertraute Jesus ihre Jungfräulichkeit an. Außerdem überzeugte sie ihren Vater, die Heilige Agnes mit einer Kirche (Basilika) zu ehren.

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